Juli 4 2019

2:1 für die Wahrheit

Eine kleine Geschichte über den letzten Championsleaguesieg der Bayern, Todesschüsse, Fake News, Schlafschafe und darüber, wie man sich mit einfachsten Mitteln eine Gehirnbombe baut, die das ganze Lügengespinst einfach nur in Rauch aufgehen lässt.

Es war das Jahr 2013. Die Bundeskanzlerin sagte dem Steuerbetrug den Kampf an, ein Bundesfinanzminister namens Schäuble ließ gestohlene CD’s mit Daten über Steuersünder kaufen; zum ersten Mal trat ein Papst zurück; die FDP flog aus dem Bundestag und Edward Snowden riss den amerikanischen Geheimdiensten die Maske vom Gesicht. Übrigens jener Edward Snowden, der bis heute, obwohl Asyl ein Menschenrecht sein soll, in Deutschland eben jenes nicht bekommt. Aber darüber dachte ich damals nicht nach, schließlich wusste ich Bescheid, denn ARD, ZDF, Spiegel, Focus und SZ versorgten mich mit den Informationen, die ich brauchte, um alles zu verstehen und ersparten mir den mühseligen Job, selbst zu denken.

Es war ein gutes Gefühl, in einem Land zu leben, in dem die Regierung nicht nur die kleinen Leute zwischen die Beine – sorry – in die Hosentasche fasste, sondern auch deutlich machte, dass sie die Großen genau so behandeln würde. Wie beim Herrn Hoeneß. Zu jener Zeit war schon klar, dass er so ein bisschen herumgezockt hatte mit ein paar Millionen aus der Portokasse und tatsächlich auch noch Gewinn dabei gemacht hatte. Na ja, der Teufel scheißt halt immer auf den größten Haufen. Dummerweise hatte der gute Herr Hoeneß jedoch vergessen, diesen Haufen rechtzeitig vor die Tür des Finananzamts zu karren und deshalb würde es ihm an den Kragen gehen. Hatte die Bundeskanzlerin gesagt.

Dann kam der 25. Mai. Ausnahmezustand in Deutschland und volle Hütte im Wembleystadion in London. Die Bayern knallen Dortmund weg und Frau Merkel meinen Schlafschafglauben. Ich erinnere mich an diese Bilder, als wäre es erst gestern geschehen: Kurz nach Beginn und nach Ende des Spiels geht die Bundeskanzlerin zu Uli Hoeneß und schüttelt ihm lächelnd die Hand. Dem Millionensteuerbetrüger. Die Politik geht zum Geld und neigt den Kopf.

An jenem Abend habe ich hin- und hergezappt, Zeitungen am nächsten Morgen gekauft, doch nirgendwo fand ich einen Kommentar dazu und verstand es nicht. Ich meine, welche Zeitung, welcher Sender lässt sich so eine Schlagzeile entgehen: „Bundeskanzlerin gratuliert zweimal vor Milliarden Menschen aus der ganzen Welt Millionensteuerbetrüger.“ Nix, nitschewo, nothing. Es war nicht geschehen, denn was nicht in den Nachrichten auftaucht, ist nicht passiert. Das Flammenzeichen an der Wand hatte offenbar nur ich gesehen.

Irgendwie beruhigte ich mich wieder. Bis zum Frühling 2014. In einer kurzen Sequenz, vielleicht nur eine Sekunde lang, sah ich den damaligen deutschen Außenminister, umgeben von Leibwächtern, auf dem Majdan in Kiew, inmitten von Menschen, die gegen eine demokratisch gewählte Regierung protestierten. Es war wie ein Schlag für mich. Was hat der stellvertretende Bundeskanzler inmitten dieser Menschen zu suchen? Er ist kein Tourist, der wo und wann machen kann, was er will. Er repräsentiert die Regierung der Bundesrepublik Deutschland. Was macht diese also mitten in einem solchen Haufen und warum ist es keinem Medium in Deutschland auch nur den winzigsten Kommentar wert?

Alles, was danach kam in der Ukraine, hat dort auf diesem Platz seinen Anfang genommen und damit hat Deutschland genau so blutige Hände wie die Amerikaner, die Briten und die Truppen Poroschenkows, die im Donbass ihr eigenes Volk ermorden. Die deutsche Berichterstattung seitdem darüber besteht aus Lügen, Halbwahrheiten, Weglassen von Tatsachen und Faktenverdrehungen. Ab diesem Tag habe ich außer der Zwangsgebühr für die Finanzierung von ARD und ZDF keinen Cent mehr für ein deutsches Presseerzeugnis ausgegeben und werde es auch nicht mehr tun.

Es bedeutet jedoch nicht, dass ich nicht verstehe, was in der Welt geschieht. Ich suche mir meine Informationen selbst und aus Quellen, in denen man mir nicht sagt, wie ich diese Informationen zu interpretieren habe und mich nicht zwingt, in eine gewünschte Richtung zu denken. Natürlich kann es auch dort vorkommen, dass Informationen nicht komplett sind, verfälscht werden, Fakten weggelassen werden. Dann mache ich das, was eigentlich jeder tun sollte, der wissen will: überprüfen, mit anderen Quellen vergleichen und vor allem selbst denken. Das menschliche Gehirn nimmt ein bestimmtes Volumen ein und das wird gefüllt mit Wissen und Glauben. Ist wenig überprüftes Wissen darin, ist viel Platz für Glauben. Wie bekommt man den heraus? Ganz einfach – überprüfen, was man glaubt, dann wird daraus Wissen. Oder man entscheidet sich für den anderen Weg – lieber glauben, was andere erzählen; weiter in der Traumwelt leben und sein Denken von anderen betreuen lassen.

Zum Schluss noch eine kleine Anleitung für diejenigen, die lieber selbst denken. Ich benutze dazu als Krücke den Inoreader (https://www.inoreader.com/). Er ist kostenlos, im Gegensatz zu vielen anderen Newsreadern kann ich mir meine Quellen hier selbst zusammensuchen und es gibt ihn auch für das Mobiltelefon. Zurzeit nutze ich folgende Quellen:

Der Rubikon fliegt demnächst aus der Liste. Leider entwickelt sich dieses Onlinemagazin auch in Richtung betreutes Denken; verwendet Klischees, Worthülsen und druckt Artikel von Autoren, denen ich eine eindeutige Manipulationsabsicht unterstelle. Also raus damit. Ohnehin lebt diese Liste. Wer sich das alles nicht selbst zusammensuchen will, kann diese Liste auch importieren. Hier ist der Link dazu: https://www.inoreader.com/bundle/0014cd63eb54
Falls jemand Hilfe beim Einrichten benötigt – kurze Mail genügt. Ansonsten freue ich mich über Hinweise auf weitere Quellen.

Es wird zu diesem Artikel noch einen zweiten Teil geben, in dem es darum gehen wird, wie man Nachrichten von Manipulationen und betreutem Denken unterscheiden kann. Sollte euch die Zeit bis dahin zu lang werden, habe ich noch etwas für Euch, mit dem Ihr sie ausfüllen könnt:

Laß dir nichts einreden
Sieh selber nach!
Was du nicht selber weißt
Weißt du nicht.
Prüfe die Rechnung
Du musst sie bezahlen.
Lege den Finger auf jeden Posten
Frage: wie kommt er hierher?

Aus: Lob des Lernens, Bertolt Brecht, gesammelte Gedichte, Bd. 2, S. 462-​463

Hinweis: Dieser Artikel kann frei verlinkt, kopiert und geteilt werden.


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Veröffentlicht4. Juli 2019 von Rainer Sonnberg in Kategorie "Dit und dat

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